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Gedichte aus Guantanamo: Die Häftlinge sprechen
Montag, 25. August 2008, 17:03 Uhr // von Timmy
Gedichte aus Guantanamo: Die Häftlinge sprechen






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Ein besonderer Gedichtband steht heute im Culture Shock im Vordergrund. Er enthält Gedichte, die von weit herkommen und uns etwas von einer anderen, uns unbekannten, Welt erzählen – einer Welt in der Leid und Ungewissheit an der Tagesordnung stehen: direkt aus dem US-Gefängnis Guantanamo Bay!
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…das Recht zu Schreiben
Guantanamo: ein Ort, in dem viele Rechte nicht existieren. Im ersten Jahr durften die Insassen nicht einmal schreiben. Sie durften ihre Gedanken zwar nicht zu Papier bringen, die Gedanken selber konnte ihnen aber niemand verbieten. So wurden anfangs Gedichte mündlich übertragen und den Mitgefangenen erzählt. Andere benötigten fürs Schreiben keinen Stift, sie ritzten ihre Gedanken einfach in die Mauern oder in Styroporbecher. Erst nach einem Jahr wurde ihnen „das Recht zu Schreiben“ zugesprochen. Und das taten sie. Briefe, Geschichten und vor allem Gedichte. Nun wurden 22 Gedichte von 17 Häftlingen in dem Band „Poems from Guantanamo“ veröffentlicht. Gedichte die von Trauer, Hoffnung, Wut und Verzweiflung sprechen.

…das Buch und die Zensur
Der amerikanische Anwalt Marc Falcoff stoß nur durch Zufall auf eines der Gedichte. Er hörte sich um und erfuhr, dass sehr viele Gedichte existieren. Er trug mehrere Schriftstücke zusammen und trat für deren Veröffentlichung ein. Von insgesamt 25.000 lyrischen Zeilen kamen aber lediglich die 22 Gedichte an die Öffentlichkeit. Alle anderen wurden vom Pentagon zensiert. Und warum wurden genau diese 22 Gedichte freigegeben? Kurz gesagt: weil sie sehr wenig über die konkrete Situation der Gefangenen aussagen. Dan Chiasson, ein Autor und Kritiker schreibt beispielsweise, die Gedichte seien "so konventionell, dass sie zu jedem Zeitpunkt der Geschichte von jedem geschrieben worden sein könnten, der an irgendetwas litt."

…die Gedichte
"Handschellen ziemen sich für mutige, junge Männer / Armreifen sind für alte Jungfern und hübsche, junge Frauen".
Die meisten der 22 Gedichte sind inhaltlich ähnlich und sehr einfach gehalten. Sie sagen sehr wenig über die Situation der Gefangenen aus. Trotzdem kann man aus allen Gedichte zwei Hauptthemen herauslesen. Die Trauer, von der eigenen Familie getrennt zu sein und die Ungerechtigkeit die ihnen widerfährt bzw. das Unvermögen, etwas an ihrem Schicksal zu ändern.
Literaturkritiker würden die Gedichte vorwiegend als „qualitativ schwach“ bezeichnen. Doch mit dem Urteil über die Gedichte sollte man sehr vorsichtig sein; erstens, da sie vom Arabischen ins Englische übersetzt wurden, dabei viel verloren geht und sie deshalb nicht in derselben Art nachvollziehbar sind – zweitens, weil sie von US-Armee Spezialisten übersetzt wurden. Und genau darin liegt das große Fragezeichen dieses Buches. Dan Chiasson befand, dass der Untertitel des Buches nicht "Die Insassen sprechen", sondern viel mehr "Das Pentagon spricht" heißen sollte. Und dennoch kann man in wenigen Gedichten sehr viel über die psychische Situation des Autors entnehmen. So z.B. im „Todesgedicht“ von Jumah al-Dossari, der 12 Selbstmordversuche hinter sich hat.

…"Todesgedicht " von Jumah al-Dossari
Nehmt mein Blut
Nehmt mein Totengewand und
die Überreste meines Körpers
Macht Fotos von meinem Leichnam am Grab, einsam
Schickt sie an alle Welt
Zu den Richtern und
Zu den Menschen, die ein Gewissen haben
Schickt sie an die mit Prinzipien und die Wohlgesinnten
Und lasst sie die schuldige Bürde tragen
dieser unschuldigen Seele
Lasst sie die Bürde tragen, vor ihren Kindern und der Geschichte
Dieser verschwendeten, schuldlosen Seele
Dieser Seele, die gelitten hat durch die Hände der "Beschützer der Freiheit"

…ein weiteres Gedicht
To My Father ” by Abdulla Thani Faris al Anazi
Two years have passed in far-away prisons,
Two years my eyes untouched by kohl.
Two years my heart sending out messages
To the homes where my family dwells,
Where lavender cotton sprouts
For grazing herds that leave well fed.
O Flaij, explain to those who visit our home
How I used to live.
I know your thoughts are swirled as in a whirlwind,
When you hear the voice of my anguished soul.
Send sweet peace and greetings to Bu’mair;
Kiss him on his forehead, for he is my father.
Fate has divided us, like the parting of a parent from a newborn.
O Father, this is a prison of injustice.
Its iniquity makes the mountains weep.
I have committed no crime and am guilty of no offense.
Curved claws have I,
But I have been sold like a fattened sheep.
I have no fellows but the Truth.
They told me to confess, but I am guiltless;
My deeds are all honorable and need no apology.
They tempted me to turn away from the lofty summit of integrity,
To exchange this cage for a pleasant life.
By God, if they were to bind my body in chains,
If all Arabs were to sell their faith, I would not sell mine.
I have composed these lines
For the day when your children have grown old.
O God—who governs creation with providence,
Who is one, singular and self-subsisting,
Who brings comfort and happy tidings,
Whom we worship—
Grant serenity to a heart that beats with oppression,
And release this prisoner from the tight bonds of confinement.
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Daniel
morgen (:
Cryten
ich bin da
peter60
ist einer da
peter60
so wieder da
Thommy
löl