Fernsehen, anrufen, Frage richtig beantworten und gewinnen: Das sind die neuen interaktiven Quizshows, die mit schnellen und hohen Gewinnen locken. Doch was steckt wirklich dahinter?
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Michael (16) möchte sich einen neuen USB-Stick kaufen. Doch sein Konto ist total Blank. Das nötige Kleingeld möchte er sich bei den neuen Quizshows holen und verbringt seit einigen Tagen jede freie Minute vor dem Fernseher.
In den Programmen der Sender gibt es neue, interaktive Quizshows. Die Formate zum vermeintlichen Glück heißen beispielsweise „Quizzo“ oder „9Live Pronto“. Das Prinzip ist immer gleich: In der Sendung werden meist einfache Fragen oder Rätsel gestellt, die der Zuschauer mit einem Anruf oder mit einer SMS beantworten kann. Zu gewinnen sind meist hohe Beträge, die sich zum Beispiel in Geldpaketen oder hinter Geldleitungen verstecken können. Michael wählt die Nummer der Quizshow. Der Anruft geht zwar durch, wird aber mit einer Absage vertröstet: „Leider haben Sie dieses mal keinen Erfolg gehabt. Versuchen Sie es gerne noch einmal. Für 50 Cent aus dem deutschen Festnetz.“ Da das Rätsel noch ungelöst ist und Michael die richtige Lösung kennt, versucht er es noch mehrere male. Doch Michael hört immer nur die automatische Ansage mit leicht variiertem Text. Erst kurz vor Schluss der Sendung wird ein Anrufer durchgeschaltet und löst das Rätsel richtig.
Wer wie Michael öfter bei einer so genannten „Call-in-Show“ anruft, sollte sich darüber im Klaren sein, dass jeder Anruf 0,50 Euro kostet. Egal, ob man in einer Warteschleife landet, man eine automatische Ansage hört oder man in der Sendung „on air“ geht: Das Geld für den Anruf kassieren Telefonanbieter und der Sender, der Anrufer geht meistens leer aus. Die Rätsel bleiben oft stundenlang unbeantwortet, was dazu verleitet, es mehrfach zu versuchen. Doch die Chancen, in die Sendung zu gelangen und das „große Geld“ abzuräumen sind sehr gering, selbst wenn man die richtige Antwort kennt. Man sollte sich also sehr gut überlege, ob man bei dieser Abzocke mitmachen möchte.
Was viele nicht wissen: Jugendliche gehen leer aus; also auch Michael. Selbst wenn er es in die Sendung schafft, wird er nicht gewinnen - so steht es in den Mitmachregeln. Sobald ein Moderator Zweifel an der Volljährigkeit des Anrufers hat, verabschiedet sich der Moderator vom Anrufer. Eingeblendete Laufbänder und Hinweise der Moderatoren werden meistens überlesen oder überhört. Im Klartext heißt das: Jugendliche können zwar anrufen und teure Telefongebühren zahlen, wer es aber tatsächlich in die Sendung schafft, geht leer aus.
Auch das Verfahren mit dem berühmten „Hot-Button“ ist eine Abzocke. Wie wr durch Recherchen herausgefunden haben, entscheidet nicht der Zufall über den „Einlass“ in die Sendung, sondern die Redaktion in der Regie.
Nach tagelanger erfolgloser Teilnahme von Michael hat er nun auch Ärger mit seinen Eltern: „Die Telefonrechnung war so hoch, dass ich diese nun teilweise zurückbezahlen muss. Da heißt es sparen. Den neuen USB-Stick kann ich erst einmal vergessen.“